Weltenbrand
Die Gesellschaft der Vampire existiert abseits der Menschen. Und das Treiben der Menschen geht oft an den Vampiren vorbei. So muss es auch im Dritten Reich gewesen sein, als Männer mit fremden Uniformen und begeisterte Massen mit merkwürdigen Flaggen durch die Straßen zogen.
Die Kinder der Nacht standen im Schatten und blickten auf die brennenden Bücherhaufen. Sie saßen auf den Dachfirsten und blickten auf die Fackelzüge hinab. Sorgten sich um Hausdurchsuchungen in ihrer Nähe. Entsetzten sich über die Himmelsfeuer, von denen sie in Volksempfängern hörten.
Man weiß, dass in jenen Nächten des Krieges auch die Kinder der Nacht einen Krieg miteinander führten. Und man erzählt sich, dass es die Nacht eines großen Hoftreffens war, auf dem der neue Fürst Berlins seine Herrschaft erklärte, als auf das klagende Sirenenheulen erstmals der tosende Donner der Brandbomben folgte.
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Der Untergang
Das Ende des “Ersten Hofes” unter dem Ventruefürsten Albrecht ist recht genau belegt – was in der Geschichte Berlins schon eine kleine Sensation ist.
Nach Überwindung der “Terrorherrschaft der Blutsreinen” (die es gegeben haben mag oder nicht) rief man früh im Jahr 1941 zum ersten “Danse Macabre” der neuen Ära. Und damit zur ersten Hofversammlung, auf welcher der neue Fürst ausgerufen werden sollte. Wie nach der Tradition des Danse Macabre üblich, wurde der Gastgeber jenes ersten Danse ausgelost – wodurch diese hohe Ehre dem “Salon Saturna” zufiel.
Als Ort wählte dieser die Staatsbibliothek zu Berlin (genauer: den großen, zentralen, schachtartigen und überkuppelten Lesesaal, der architektonisch schon fast sakral gestaltet war), angeblich das Zentrum der Macht jenes Salons, und die Ladung wurde ausgegeben zur Versammlung der Domäne am 10. April 1941.
Präzise dieser Ort wird in präzise dieser Nacht das erste Opfer des ersten Luftangriffes auf Berlin – ein fast schon unglaublicher Zufall, der besonders gerne von Anhängern der Idee einer Verschwörung der Drachen hinter dem Salon Saturna wild weitergesponnen wird.
Während die Ursachen für das Bombardement der Staatsbibliothek unklar sind, sind die Folgen relativ unstrittig: Jedes beim Hoftreffen anwesende Kind der Nacht fand beim Brand der Bibliothek den Tod.
Was natürlich die Frage aufwirft, warum die Überlebenden jener Nacht (Matthäus, Magdalena, Faust, Lukas, Uräus, Annabelle, selbst Albrechts Kind Marius, das ja wohl in seiner Funktion als Herold hätte anwesend sein müssen) allesamt dem Treffen fern blieben.
Wurden sie gewarnt? Von wem?
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Der Fall der Sünden
Ein relativ selten gehörtes Gerücht will wissen, dass es vor allem eine Gruppierung war, die durch das Feuer restlos ausgelöscht wurde: Ein Haus der Sünden (oder Schmerzen?) des Invictus, ein Daeva-Haus, dessen verderbte Spur bis zu den ersten Nächten der Domäne zurückreichen soll.
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Rattenkinder
Im Sturz Zions ebenso wie im Flamentode Albrechts spielt auch die fremde Gruppe der Moroi eine bedeutsame Rolle. Jedenfalls, wenn man den Verschwörungstheorien einiger glaubt, welche das Wirken der Moroi (oder der Upierczi) an verschiedenen Stellen der Berliner Geschichte behaupten erkannt zu haben.
Die Legenden gehen dabei immer in eine von beiden Richtungen: Entweder hat irgendjemand die Moroi dazu angeheuert, eine feindliche Fraktion (oder auch den ganzen Hof) auszulöschen – oder aber die Moroi haben zu jenen Punkten, da die ganze Domäne ausgelöscht wurde (was ja mehrfach geschah) “ihre Ernte eingefahren”, indem sie all das im Laufe der Jahre für ihre Dienste erworbene Blut in einem großen Ritus verbrannten – und die Blutgeber mit ihm.
Natürlich klingt diese Überlieferung schwer nach einer Spukgeschichte, die jüngere Vampire davon abhalten soll, Geschäfte mit den Moroi einzugehen. Andererseits ist in der Tat nicht bekannt, was die Moroi mit dem Blut, das sie angeblich für ihre Dienste verlangen, eigentlich anstellen.
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Die Ewige Nacht
Ein ganzes Bündel weiterer Theorie betreffs einer Macht, die hinter den Kulissen die Fäden zieht, betrifft die rein spekulative Gruppe der “Nox Aeterna”.
Deren Existenz ist zwar seit langer Zeit in verschiedensten Schriften “belegt”, aber stets nur indirekt: So hat es zu allen Zeiten einzelne Kinder der Nacht gegeben, die in Briefen, Tagebüchern, Hofschreiben oder Archiven ihrer Angst vor einem möglichen Ivolvement der “Nox Aeterna” Ausdruck verliehen. Sämtliche jener Aufzeichnungen aber sind selbst nur Spekulationen der jeweiligen Autoren.
Neben den ungebrochen populären Theorien, dass die Nox Aeterna eine Splittergruppe des Bunds der VII oder Belials Brut sei, existieren auch zahllose weitere: Dass die Nox Aeterna die “Kabale des Grauens” des Ersten Vampirs Berlins ist, dass sie die “wahre Abtei” sei, dass es ein “Zionskult” sei, dass es der vergessene Zirkel der Gorinka Baja sei, dass es ein abtrünniges Haus der Ordo Dracul sei, dass es der Bund hinter der Germania-Loge sei oder auch dass es nur ein geheimer Bund von Archivaren sei, welche die wahren Schriften der Domäne hüten, ja, selbst dass die Nox Aeterna gar keine Vampire, sondern ein Kreis von Hexern oder Werwölfen oder ein vergessener Menschen-Kult aus vorchristlicher Zeit sei. der die Macht gefunden habe, Vampire zu beherrschen, ohne dass diese sich ihrer Taten für die Nox Aeterna bewusst sind und-und-und.
Wie man es auch dreht und wendet: Die Nox Aeterna bleibt der Schwarze Mann der Domäne, und egal, wie sehr jede einzelne Theorie zu dieser Gruppe verlacht oder ins Reich der Märchen geschoben wird – an der Existenz der Gruppe hat kein einziger der alteingesessenen Vampire Berlins den geringsten Zweifel …
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