vom Requiem
Requiem. So nennen die Kinder der Nacht (die Vampire im Requiem-Spiel) ihre untote Existenz.
Worin aber besteht die Existenz eines Vampirs im Requiem Live-Rollenspiel? Doch wohl kaum darin, Menschen nachzustellen und diese um ihr Blut zu erleichtern?
Die Frage ist nicht ganz leicht zu beantworten. Am Besten, man orientiert sich ein wenig an den Büchern von Anne Rice oder Filmen wie “Near Dark”, “Lost Boys” oder “Underworld” – also Materialien, die auf die Beziehungen der Vampire untereinander ausgerichtet sind.
Vampire: Requiem ist ein Interaktions- und Intrigen-basiertes Spiel:
Die Gesellschaft der Vampire ist kein freundliches Milieu. Jagdgebiete, Einflussbereiche und sozialer Stand in der Gruppe werden eifersüchtig gehütet und “bis aufs Blut” verteidigt.
Jedes Nachgeben, jedes Einigen wird als Schwäche ausgelegt werden, und kann schlimmere Verfolgung und Schikane nach sich ziehen.
Es geht um eine Gesellschaft von Raubtieren, die sich durch allerlei Pomp und Titel gegenseitig vorspielt, hoch kultiviert und mit eigener Ethik und Moral ausgestattet zu sein.
Vielleicht hilft der Vergleich zu einem Gefängnis: Jede Domäne ist ein goldener Käfig, dem die Vampire ebenso wenig entrinnen können wie letztlich ihrer Existenz. Was immer sie tun, sie sind dazu verdammt, die nächsten Jahre, vielleicht Jahrhunderte mit den anderen Vampiren dieser Domäne zu verbringen – ganz ähnlich dem Los von zu lebenslanger Haft verdammter Gefängnisinsassen, die hinter Gefängnnismauern ebenso ihre eigene Gesellschaft errichten. In der jedes Zeichen von Schwäche unweigerlich zum Untergang führt.
“Untergang” bedeutet dabei aber keineswegs, dass man sich immer sofort gegenseitig den Kopf abreißt: Jeder Vampir hat eine theoretisch unbegrenzte Existenz vor sich, und demzufolge hat kaum ein Vampir Lust darauf, ständig im Kriegszustand zu leben. Die Kinder der Nacht sind durchaus kreativ darin, ihre Gesellschaft – die sie den “Danse Macabre” (Totentanz) nennen – durch Ämter, Traditionen und Rituale so zu ordnen, dass offene Gewalt auf wirkliche Extremsituationen beschränkt wird.
Allwöchentliche Charaktertode kommen also (für gewöhnlich) nicht vor. Allwöchentliche Niedertracht, Verleumdung und kalt kalkulierte politische Intrige schon eher.
Du kannst es bereits erahnen:
Vampire: Requiem ist kein “freundliches” Spiel. Weswegen es auch absolut nicht jedem liegt: Das Spiel erfordert nämlich, fies, hinterhältig und gemein zueinander zu sein, ohne dass man sich offplay (außerhalb des Spiels) wirklich ans Leder geht.
Natürlich spielen auch positive Empfindungen wie Freundschaft, Zuneigung und sogar Liebe unter den Charakteren eine Rolle, aber wie immer im Horror- und Vampir-Genre sind dies die kostbaren Ausnahmen in einer ansonsten tragischen, dunklen, schmutzigen und sehr blutigen Existenz.
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