(OT) Jedem Vampir auf schmucklosem Papier mit Siegel der Corona Obscura zugestellt (/OT)
Dienet dem Herrn mit Furcht, und jauchzt mit Zittern!
Küsst die Hände der Geheiligten,
dass sie nicht zürnen und ihr umkommt auf dem Weg;
denn leicht entbrennt ihr Zorn.
Glücklich alle, die sich bei ihnen bergen!
— Benediktum IV/13–17
Verdammte der Domäne Berlin,
es scheint erneut die Zeit gekommen, da es an mir ist, das Meinige zum Treiben der Domäne zu sagen.
Und zum wiederholten Male ist es um das unbedachte und törichte Wort des Knaben U r ä u s hin, der sich selbst berufen fühlt, das Recht und die Sitte der Domäne auszudeuten, trotzdem ihm die Ä l t e s t e n – ja, in der Tat, alle jene – ihm zum Herbst des verflogenen Jahres bestellten, dass dem nicht so ist.
Er hat nicht mir, noch der Erzbischöfin, noch dem Rat, noch einem Ältesten sonst etwas zu erklären. Und er mag in der Tat n i c h t erklären, was er will, denn fürwahr es
f i n d e t durch uns Beachtung wegen des Blutes, das in ihm ist, und wird darum eine Relevanz auf sein Requiem haben, welche er sich nicht wünschen kann.
F a u s t
Man erzählt mir, dass da der Faust zurückgekehrt ist, der einmal der Älteste im Rate war.
Ich sage: Ich rede nicht mit Phantomen und verkehre nicht über Briefe mit solchen die glauben meines Ranges zu sein.
Wenn der Faust dem Rat der Ältesten etwas mitzuteilen hat, so erwarten wir ihn und werden ihn – wie Salem – hören.
Und wie jenem wird ihm nichts versprochen. Kein freundlicher Empfang. Kein freier Abzug. Er komme um zu sprechen. Oder bleibe fern und verzichte.
F ü r s t
Dies sprach der Rat der Ältesten:
Dass ein Fürst niemals nur für sich steht.
Er ist niemals Privatperson. Ein Angriff auf den Fürsten ist stets ein Angriff auf alle, welche diesen anerkennen. Und also darum:
Ein Angriff auf die Ahnen der Domäne. Und jeden, der geringer ist als sie.
Der Angriff auf den Fürsten, welchen wir, Ahnen der Domäne, anerkennen, ist ein Angriff auf uns selbst. Und wird also gesühnt werden, gleich ob er gelang oder vereitelt wurde, gleich ob er zerstörte oder in Starre schlug. Denn das Verbrechen als solches wiegt schwerer als dessen Vollendung.
Ich aber sprach auch: Dass ich d e n zum Fürsten anerkenne, der das Knie vor GOTT beugt und durch dessen Geheiligte auf Erden er die Salbung erfährt. Und keinen sonst.
So der Faust sich besinnt und ablässt von seinem eitlen Treiben, so er sich löst aus der ketzerischen Lust seines advocatus diavoli, dessen Sinn seit dem gerechten Tod der I s d i r a nur mehr darauf sinnt, die Domäne zu entzweien und GOTT und seine Kirche zu schmähen, so der Faust um Vergebung bittet und die Kasteiung empfängt und er Gnade vor der Erzbischöfin findet, so wird er wohl gesalbt und der Angriff auf ihn gerecht vergolten werden.
Mit aller Macht, die diesem Ältesten und dessen Abtei zueigen ist.
Und ebenso der Macht jedes Ältesten, der das gegebene Wort gesprochen hat, dass ein Angriff auf den Fürsten der Domäne niemals und zu keiner Zeit geduldet werden wird.
A l t – O s t b e r l i n
Das Gebiet der Erzdiözese umfasst das gesamte Gebiet des alten Ostberlin. Inklusive jener Teile des Besitzes meiner C o r o n a O b s c u r a , die unter dem Dornenfrieden
den geeinten Kindern der Nacht der Domäne Berlin als A r k a d i e n gegeben wurden, doch zum Osten der Stadt gehören.
Es ist mir bewusst, dass dieser Nächte viel fremdes Volk in m e i n e m Gebiet haust und jagt, welches die Dunkle Kirche nun mehr in Besitz genommen hat.
Sie haben drei Nächte zu verschwinden. Wen ich hernach treffe, wird vom geheiligten Jäger mir zur Beute werden. Wilderei in unserer Herde wird nicht geduldet werden.
Zum Gebiete des Murnau gibt es Regelungen zwischen jenem und der Erzbischöfin, welche durch sie allein geregelt werden.
Auch gilt, was sie spricht zu An- und Abreise zu den Messen oder Besuch der Domäne im Zuge der Nacht der Vampire, denn sie ist die Erzbischöfin, und Herrin der E r z d i ö z e s e .
Das Einklammern des “Erz” schenke man sich.
Solch kindische Narretei ist unwürdig.
Nicht dem Autor, doch dem Lesenden.
D o r n e n f r i e d e n
Der letzte anerkannte Fürst des Dornenfriedens ist der G r i g o r i . Er aber hat das Amt niedergelegt. Die Domäne Berlin steht nun meinem Verständnis nach unter V a k a n z.
Der Dornenfrieden besteht so weiter. Und hofft darauf, dass einer das Privileg der Herrschaft wahrnimmt, dem solches zusteht.
Insofern der Invictus sich weigert, einen Fürsten zu benennen, der bereit ist auf eben jenen Dornenfrieden zu schwören und seine Pflicht zu erfüllen, verzichtet er auf das ihm gegebene Privileg.
Ich bin erstaunt. Doch: Einstweilen warte ich.
Dies ist keine Drohung und keine Ankündigung einer Übernahme des Thrones durch die Ältesten, das Sanktum oder diesen Geheiligten.
Ich hege keinerlei Zweifel daran, dass die Unbezwingbaren ihrer Pflicht gegen die Ältesten nachkommen werden, wie sie es alle Zeit getan haben. Sie, die mehr denn sonst jemand wissen um die Wege der Macht. Und die Fruchtlosigkeit von Widerstand gegen das unvermeidliche Diktat derselben.
Sie wissen, was duldsam ist. Und was nicht geduldet werden kann.
Nicht zweifele ich ferner daran, dass die Unbezwingbaren alle Zeit das Knie vor GOTT beugen werden, und solange dies so ist, wird das Sanktum alle Zeit dem Fürsten des Invictus geben, was des Fürsten ist.
Man wisse, was duldsam ist. Und was nicht geduldet werden kann.
Man besehe nicht länger tatenlos, dass die Schlange in der Krone den edlen Sinn der Fürsten vergifte.
Herr, mache mich
zu einem Werkzeug deines Zornes,
dass ich Hader bringe, wo Liebe ist;
dass ich Starrsinn bringe, wo Einigkeit ist;
dass ich Streit bringe, wo Eintracht ist;
dass ich Lüge bringe, wo Wahrheit ist;
dass ich Zweifel bringe, wo Vertrauen ist;
dass ich Verzweifelung bringe, wo Hoffnung ist;
dass ich Finsternis bringe, wo Licht ist;
dass ich Kummer bringe, wo Freude ist.
Herr, lass mich trachten,
Trost zu rauben, dass ich getröstet werde;
Verständnis zu rauben, dass ich verstanden werde;
Liebe zu rauben, dass ich geliebt werde.
Denn wer sich mir hingibt,
der empfängt deinen Zorn durch mich;
wer sich selbst an mir vergisst,
der findet deinen Zorn in mir;
wer mir verzeiht,
dem wird in diesem Leben nicht verziehen;
und wer an mir stirbt,
der erwacht zum ewigen Leben.
M a t t h ä u s