Schattenhof & Sündenhof
Now he’s gone, I dont know why.
And till this day, sometimes I cry.
He didn’t even say goodbye,
he didnt take the time to lie.
Bang Bang – he shot me down
Bang Bang – I hit the ground
Bang Bang – that awful sound
Bang Bang – my baby shot me down.
Nancy Sinatra, “Bang Bang”
Der Zwielichthof
Der Hof der Sünde und der Hof der Schatten
Die beiden Ahnherren und Ältesten ihrer Geblüter, M a g d a l e n a und M e g i s t o s, bestiegen Anfang des Jahres 2011 ihren gemeinsamen Thron und formierten eine „neue” Form des Hofes zu Berlin. Diese unterteilt sich in den S ü n d e n h o f, der auf das Individuum, die persönliche Entfaltung und der Anerkennung der Bestie beruht. Diese Form des Hofes, die laut Aussagen des Ahnen Megistos ein Phänomen ist, welches es schon mehrmals in Berlin gab und zu einer „kontrollierten” Entladung der Natur der Bestie führt und dem Wesen eines jeden Vampirs entspricht, der sein persönliches Vorankommen weit über die Bedürfnisse des Einzelnen stellt. Selbstverständlich ist dies mit einigen Problemen und in höchster Konsequenz mit dem Scheitern der Schwachen verbunden, doch wer sagt, dass dies nicht genau der Sinn und Zweck des Hofes der Sünden ist, nämlich den stärksten, schlausten oder geschicktesten Anverwandten der Stadt diesen in die Hände zu geben. So ist der Hof der Sünde ein kalter Krieg der Bestien an dessen Ende ein Berlin steht, welches keine großen Schlachten benötigt, da Probleme in den meisten Fällen persönlicher Natur zwischen Vampiren sind. Nur allzu oft gerät der wahre Auslöser eines Konfliktes in den Hintergrund bzw. Sogar in Vergessenheit und eine ganzen Stadt versinkt im Chaos. Zum Ende des Jahres ist der Wechsel vom Licht in den Schatten angekündigt, so dass der S c h a t t e n h o f seine Arme um die Stadt legt und diejenigen empfängt, die das Treiben des Hof der Sünde überstanden haben – als die Stärksten, die sich nun wieder von persönlichem Geschäft entfernen, der Bestie die Kette anlegen und der anderen Seite des vampirischen Seins zu entsprechen. Der Lüge, der anderen großen Kraft neben der Bestie der wir uns bedienen, sei es wenn wir uns selbst belügen oder alle anderen.
Der Kreislauf von Sünde und Schatten hat begonnen und ob diese Stadt lieber ein falsches Lächeln oder blanke Fänge zeigen möchte, entscheidet sie selbst – unter dem wohlwollenden Lächeln der beiden Fürsten, deren Fänge zu sehr unterschiedlichen Gelegenheiten aufblitzen.
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DER FÜRST
Im Februar des Jahres 2006 wurde der Älteste der Gangrel und Erste des Invictus G r i g o r i zum Ersten Fürsten unter der Dornenkrone erhoben. Anders als der Kardinal und Abt Matthäus es sich bei Verfassen seines Ediktes vorgestellt haben mag indes nicht als “Fürst von Kardinals Gnaden”, sondern von Beginn an durch den Invictus bestimmt, der damit erstmalig unter der Dornenkrone sein Privileg der Herrschaft ausübte, das dem Ersten Stand die Wahl des Fürsten garantieren soll – dies allein schon Grund genug für viele Kinder der Nacht, ein unterdrücktes Grollen zu äußern. Auf dem Hoftreffen im August 2007 folgte der Ventrue F a u s t als Zweiter Fürst auf dem Throne nach – gemäß Deklaration des Invictus ein Geschenk des Ersten Standes an die Domäne, wodurch die Zeit des Krieges – repräsentiert durch den Meister der Klauengilde Grigori – endgültig beendet sei. Die Reaktionen des Berliner Hofes waren ob des Wechsels und seiner Begleitumstände indes gespalten. Man wusste – inoffiziell – dass Faust an mehreren Riten des Hexenzirkels teilgenommen hat und er eine ursprünglich versöhnliche Haltung zum Haus der Schmerzen hatte, mit dem er persönlich keine Geschichte des Hasses und des Blutvergießens verband.
Umso überraschender, dann, dass der Fürst durch eben jenes Haus angegriffen, in Starre geschlagen und nach jenseits der Elbe verschleppt und verscharrt wurde. Laut dem Anführer des Hauses Salem sei der Anstoß dieses Streites gewesen, dass Faust von Absprachen des Hauses mit dem Sanktum erfahren habe und ob dieser “Illoyalität” zu ihm persönlich maßlos erzürnt gewesen sei. Nach jenen fatalen Nächten der Kriegserklärung der einen gegen die andere Fraktion und endlich das Attentat des Hauses auf den Fürsten befand sich die Domäne einige Zeit lang in einem langsamen Strudel von Ereignissen, die sie, scheinbar unaufhaltsam, in Richtung Zerfall zieht, nur um sich mit Fausts Rückkehr im Sommer 2008 und der Ausrufung der zyklischen Dynastie des Fürstenhauses Consentes — Faust, Vergil, Uriel (Uräus) und Asrael umfassend — in das genaue Gegenteil zu verkehren. An der Unerschütterlichkeit der Herrschaft dieses Hauses nämlich konnte auch Fausts Ermordung – wiederum durch seine engsten früheren Alliierten, diesmal den Hexenzirkel – im Frühsommer 2010 nichts ändern: Auf Faust folgte einfach V e r g i l als dritter Fürst der Berliner Neuzeit nach, um sich wenige Monate später im November 2010 plangemäß freiwillig in Starre zu versenken und den Thron in Obhut des vierten Berliner Fürsten und Hausersten Consentes U r i e l zu lassen. Vielleicht wenig überraschend verschwor sich daraufhin die Domäne dazu, sich des Fürstenhauses und des an Zahl aktuell nicht gerade übermäßig machtvollen Invictus zur Gänze per gewaltsamen Umsturz zu entledigen.
Dieser Tat indes griff der Fürst vor, der vom Privileg der Herrschaft des Invictus dahingehend Gebrauch machte, abzudanken und den Thron an einen Fürsten zu geben, der die Unterstützung des Berliner Nachtvolks hätte. Als ebendieser Fürst herrschen seit April 2011 der Älteste der Daeva und Erste der Drachen M e g i s t o s und die Älteste der Schatten und Erste des Sanktums M a g d a l e n a über Berlin. Thron und Herrschaft sind zwischen einer Zeit der Sünde (Daeva) und einer Zeit der Schatten (Mekhet) aufgeteilt. Nun gerade befindet der Hof sich im Zeichen der Sünde. Einen Hof der dem Einzelnen den Vorzug gewährt mit wenig Grenzen und wenig, jedoch hart verteidigtem Recht. Ein Aussage die diese Zeit mehr prägt als alle anderen. „Du kannst dass, womit du durch kommst mein Kind. Doch bedenke dein Einsatz ist nicht weniger, als alles was du besitzt.“
